Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Gesundheit als biologisches und soziales Wohlbefinden. Zum Ausruf Gesundheit nach dem Niesen siehe: Brauchtum beim Niesen
Eine viel zitierte Definition von Gesundheit ist diejenige der Verfassung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom 22. Juli 1946. Sie lautet: „Gesundheit ist ein Zustand vollkommenen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens und nicht die bloße Abwesenheit von Krankheit oder Gebrechen.“[1] („Health is a state of complete physical, mental and social well-being and not merely the absence of disease or infirmity.“) [2]
Inhaltsverzeichnis
1 Definition
2 Weitere Definitionen
3 Der Wert von Gesundheit
4 Faktoren für ein gesundes Leben
4.1 Körperliche Faktoren
4.2 Seelisch-geistige Faktoren
5 Faktoren der sozialen Ungleichheit
6 Siehe auch
7 Belege
8 Literatur
9 Weblinks
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[Bearbeiten] Definition
Die Stärke dieser Definition ist, dass Gesundheit nicht auf körperliche Gesundheit reduziert wird, sondern auch psychische und geistige Aspekte einbezieht. Zu kritisieren ist zum einen, dass Gesundheit als Zustand und nicht als Prozess definiert wird. Zum anderen impliziert die Formulierung des „vollkommenen Wohlbefindens“, dass Unwohlsein (z. B. bei Liebeskummer) die Gesundheit grundsätzlich beeinträchtigt. Schließlich wird nicht definiert, welche Symptome Gesundheit beobachtbar machen. „Wohlbefinden“ allein kann es nicht sein, da sich auch kranke Menschen durchaus wohl befinden können. Schließlich unterstützt die WHO-Definition die gängige Glorifizierung von Gesundheit und Dämonisierung von Krankheit. Dabei üben Krankheiten für die Gesundheit oft eine wichtige Funktion aus, etwa wenn uns eine Krankheit zeigt, dass wir unser Leben gesundheitsförderlicher gestalten sollten. Aus diesem Grund werden Gesundheit und Krankheit in der nachfolgenden Definition nicht getrennt, sondern als zwei Seiten einer Unterscheidung betrachtet, die sich wechselseitig bedingen.
Für eine umfassende Bestimmung von Gesundheit und Krankheit sind folgende Aspekte von Bedeutung:
Gesundheit und Krankheit sind beobachterabhängige Konstrukte, wobei sich die Beobachtung von Gesundheit und Krankheit durch soziale Systeme wie die Medizin oder die Wissenschaft von der Beobachtung durch das Individuum unterscheiden kann (objektivierende vs. subjektivierende Sicht).
Die Beobachtung von Gesundheit und Krankheit erfolgt ausschließlich anhand von (körperlichen, psychischen und sozialen) Symptomen.
Gesundheit und Krankheit sind demnach für sich nicht empirisch fassbar; sie entsprechen Konzepten, mit welchen die Symptome erklärt werden.
Gesundheit ist die korrekte Ausführung aller physischen und psychischen Funktionen eines Lebewesens.
Man kann zwischen physischer und psychischer Gesundheit/Krankheit unterscheiden.
Die Positionierung auf dem Kontinuum wird primär durch das Vorhandensein/die Absenz von physischen und psychischen Krankheiten bestimmt.
Das Auftreten dieser Krankheiten wird unter anderem beeinflusst durch Risikofaktoren (Stressoren), welche die Wahrscheinlichkeit von Krankheiten und Verletzungen erhöhen und Schutzfaktoren, welche die Wirkung der Risikofaktoren beschränken.
Die Risiko- und Schutzfaktoren können in physische, psychische, soziale und physikalisch-materielle Faktoren unterteilt werden.
Durch die Bekämpfung der Risikofaktoren und die Förderung der Schutzfaktoren wird die Chance für das Auftreten neuer Krankheiten verringert und die Positionierung auf dem Kontinuum verbessert oder erhalten.
Wenn sich durch die Verminderung von Risikofaktoren und die Förderung von Schutzfaktoren das Wohlbefinden des Individuums verbessert, kann sich seine Positionierung auf dem Kontinuum in Richtung Gesundheit verschieben.
[Bearbeiten] Weitere Definitionen
Nach dem Soziologen Talcott Parsons:
Gesundheit ist ein Zustand optimaler Leistungsfähigkeit eines Individuums, für die wirksame Erfüllung der Rollen und Aufgaben für die es sozialisiert (Sozialisation = Einordnungsprozess in die Gesellschaft, Normen- und Werteübernahme) worden ist.
Nach Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie 1997 (BMFT):
Gesundheit wird als mehrdimensionales Phänomen verstanden und reicht über den „Zustand der Abwesenheit von Krankheit“ hinaus.
Nach Monika Krohwinkel, 1992:
Krankheit und Gesundheit sind „dynamische Prozesse“, die für die Pflege als Fähigkeiten und Defizite erkennbar sind. (Krohwinkel identifiziert Wohlbefinden und Unabhängigkeit als subjektiv empfundene Teile der Gesundheit.)
Eine pflegerische Definition von Gesundheit (Reinhard Lay, 1997/2004):
Gesundheit bedeutet eine zufrieden stellende Entfaltung von Selbstständigkeit und Wohlbefinden in den Aktivitäten des Lebens.
Nach dem Meikirch-Modell (Johannes Bircher, Karl-Heinz Wehkamp):
Gesundheit ist ein dynamischer Zustand von Wohlbefinden bestehend aus einem biopsychosozialen Potential, welches genügt, um die alters- und kulturspezifischen Ansprüche des Lebens in Eigenverantwortung zu befriedigen. Genügt das Potential nicht, um diese Ansprüche zu befriedigen, so besteht Krankheit.
Für weitere Definitionen s. van Spijk (Literaturverzeichnis).
[Bearbeiten] Der Wert von Gesundheit
Gesundheit ist ein wichtiger persönlicher und gesellschaftlicher Wert. Ihre Bedeutung wird oft erst bei Krankheit oder mit zunehmendem Alter erkannt. Welche Einschränkungen mit dem Verlust von Gesundheit verbunden sind, wird oft erst dem alternden Menschen bewusst – durch eigene durchgestandene Krankheiten, gesundheitliche Probleme im Umfeld und das sich nähernde Lebensende. Vorsorgeprogramme für jüngere Altersgruppen werden propagiert, laufen aber oft ins Leere.
Im Allgemeinen sind Frauen gesundheitsbewusster als Männer. Dies kann man beispielsweise an der Beteiligung zur Darmkrebsvorsorge erkennen (Männer ca. 10–15 %, Frauen ca. 30 % Beteiligung). Kostenlose Krebsvorsorgeuntersuchung (SGB V §25) bekommen Frauen schon jährlich im Alter ab 20 Jahren und Männer erst im Alter ab 45 Jahren.
Privilegierte Schichten sind gesünder als unterprivilegierte. Der Abstand ist in den letzten zwanzig Jahren kontinuierlich gewachsen.
Die Förderung und Erhaltung der Gesundheit erfordert geringe finanzielle Mittel. Teuer ist dagegen der Versuch, Gesundheit wiederherzustellen, die sog. kurative Medizin. Die Krankenversicherung ist neben der Renten-, Arbeitslosen-, Unfall- und Pflegeversicherung eine der fünf Säulen des Sozialsystems.
[Bearbeiten] Faktoren für ein gesundes Leben
[Bearbeiten] Körperliche Faktoren
genetische Faktoren
gesunde Nahrung: Obst, Gemüse, Milch, Kartoffeln, Hülsenfrüchte etc.
gesunde natürliche Umwelt: Luft, Wasser, Boden, Licht etc.
gesicherte geschaffene Umwelt: Kleidung, Unterkunft, Wärme, Schutz vor Gefahren
ausreichende körperliche Betätigung (Sport, Spiel, Arbeit), aber keine extremen Überanstrengungen
genug Schlaf, Zeiten der Ruhe und Erholung, keine Hetze
Entspannung und emotionale Ausgeglichenheit (siehe auch unten)
eine erfüllte Sexualität mit sich oder einem bzw. mehreren anderen Menschen, oder dessen gelungene Sublimation
intakte soziale Beziehungen z. B. ein Freundeskreis und gute Beziehungen zu Arbeitskollegen
der Gesundheit förderliche Arbeitsbedingungen, keine dauernde Über- oder Unterforderung.
[Bearbeiten] Seelisch-geistige Faktoren
Geliebt sein und selbst lieben können:
Lebenspartner, Kinder, Familie, Mitmenschen
Freundlichkeit, Kontaktfähigkeit, soziale Kompetenz
sich wertvoll empfinden; Selbstachtung, Selbstvertrauen
Erfolg und Anerkennung: Bestätigung, Arbeitsklima, Kritik und Lob (Feedback).
Sicherheit: Gefühl der Geborgenheit, Religion bzw. Lebenssinn
Mindest-Sicherheit, die Nahrung, die Kleidung, das Wohnen betreffend
Sicherheit der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse
doch gewisse Spannung ist notwendig, sonst versinkt man in Lethargie.
Freiheit:
Gestaltungsmöglichkeiten, auch für das eigene Leben; lohnende Ziele
Möglichkeit zur Artikulation, Gedankenfreiheit, Redefreiheit
Berufs- und Partnerwahl
Kreativität: schöpferische Betätigung und Spiel.
Verbundenheit:
zum Partner, zu Freunden und/oder zu anderen
Konfliktfähigkeit und Bereitschaft zur Versöhnung
Erlebnisse mit Erinnerungswert.
[Bearbeiten] Faktoren der sozialen Ungleichheit
Privilegierte Schichten sind in Deutschland eindeutig gesünder und haben eine längere Lebenserwartung als Menschen, die über geringere Bildung, Einkommen und Berufsstatus verfügen.
Die Gründe hierfür liegen (nach Mielck, 2005, S. 53) in
Unterschieden in den gesundheitlichen Belastungen (z. B. Belastungen am Arbeitsplatz)
Unterschieden in den Bewältigungsressourcen (z. B. soziale Unterstützung)
Unterschieden in der gesundheitlichen Versorgung (z. B. Arzt-Patient-Kommunikation).
Dies zusammengenommen führt wiederum zu
Unterschieden beim Gesundheits- und Krankheitsverhalten (z. B. Ernährung, Rauchen).
Insgesamt führen diese Faktoren zu
einer gesundheitlichen Ungleichheit (Unterschiede in der Mortalität und Morbidität).
Faktoren für ein gesundes Leben sind also auch sozialpolitischer Art.
Hauptartikel Soziale Ungleichheit der Gesundheitschancen
[Bearbeiten] Siehe auch
Gesundheitsberichterstattung
Gesundheitsamt
Gesundheitsdeterminante
Gesundheitspreis
Gesundheitssystem
Gesundheitswissenschaften
Risikofaktor (Medizin)
Lebensqualität
Heilverfahren
Fitness
Healthism
Gesundheitshaus
Salutogenese
Gesundheitspsychologie
Männergesundheit
Wikiquote: Gesundheit – Zitate
Wiktionary: Gesundheit – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen und Grammatik
Wikibooks: Regal:Medizin – Lern- und Lehrmaterialien
[Bearbeiten] Belege
↑ Verfassung der Weltgesundheitsorganisation, deutsche Übersetzung
↑ Constitution of the World Health Organisation. Original als .pdf
[Bearbeiten] Literatur
Antonovsky, A. (1997). Salutogenese: zur Entmystifizierung der Gesundheit. Tübingen: DGVT-Verlag.
Becker, P. (1982). Psychologie der seelischen Gesundheit. Göttingen: Hogrefe.
Bengel, J., Strittmatter, R., & Willmann, H. (2001). Was erhält Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese – D iskussionsstand und Stellenwert; eine Expertise. Köln: Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA.
Blech, J. (2003). Die Abschaffung der Gesundheit. Der Spiegel, 33, 116–126.
Bertelsmann Verlag. (2000). Gesundheit und Krankheit zwischen Magie und Vernunft. In Bertelsmann Verlag (Ed.), Meilensteine des Lebens 1.
Brundtland, G. H. (Ed.). (2000). Grundrecht Gesundheit. Vision: Mehr Lebensqualität für alle. Frankfurt: Campus.
Hafen, M. (2007). Mythologie der Gesundheit – zur Integration von Salutogenese und Pathogenese. Heidelberg: Carl Auer-Systeme-Verlag.
Lampert, T./Kroll, L.E. (2005). Einfluss der Einkommensposition auf die Gesundheit und Lebenserwartung DIW Discussion Paper 527/2005. Download
Lampert, T./Ziese, T. (2005). Armut, soziale Ungleichheit und Gesundheit. Expertise des Robert Koch-Instituts zum 2. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung Schriftenreihe Lebenslagen in Deutschland. Bonn: BMGS. Download
Lay, Reinhard (2004): „Ethik in der Pflege. Ein Lehrbuch für die Aus-, Fort- und Weiterbildung.“ Schlütersche Verlagsgesellschaft, Hannover 2004. ISBN 3899931157. Rezensionen unter [1]
Lemke, T. (2003). Gesunde Körper – kranke Gesellschaft? Medizin im Zeitalter der Biopolitik. Zeitschrift für Biopolitik, 2(2), 67–71.
Lippke, S. (2002). Wellness. In R. Schwarzer, M. Jerusalem & H. Weber (Eds.), Gesundheitspsychologie von A bis Z (pp. 630–633). Göttingen: Hogrefe.
Lutz, R., & Mark, N. (Eds.). (1995). Wie gesund sind Kranke? Zur seelischen Gesundheit psychisch Kranker. Göttingen: Hogrefe.
Rainer Lutz: Gesundheit und Genuss: Euthyme Grundlagen der Verhaltenstherapie, in; J. Margraf: Lehrbuch der Verhaltenstherapie, Bd.1, Berlin 1996
Mann, Bernhard: Soziologie und die moderne Public-Health-Entwicklung. In: Jost Bauch/Gerd Hörnemann (Hrsg.) Gesundheit im Sozialstaat. Konstanzer Schriften zur Sozialwissenschaft. Hartung-Gorre Verlag. Konstanz 1996 ISBN 3-89649-077-X
Mielck, Andreas: Soziale Ungleichheit und Gesundheit. Einführung in die aktuelle Diskussion Bern 2005 ISBN 3-456-84235-X
Schiefenhövel, W., & Schiefenhövel-Barthel, S. (1999). Gesundheit und Krankheit. In D. Geiß & J. Weiß (Eds.), Der Mensch (Vol. 2, pp. 68–75). Leipzig: Brockhaus.
van Spijk, P. (1991). Definitionen und Beschreibung der Gesundheit – ein medizinhistorischer Überblick. Zürich: Schweiz. Gesellschaft für Gesundheitspolitik SGGP.
[Bearbeiten] Weblinks
Links zum Thema Gesundheit im Open Directory Project
Deutsche Gesundheitsauskunft Suche nach ärzten, Zahnärzten, Therapeuten. Von zahlreichen Verbänden unterstützt, werbefrei und unabhängig.
Offizielle Seite der WHO
Bundesministerium für Gesundheit: Aufstellung der wichtigsten Internetseiten zur gesundheitlichen Information
Informationssystem für Gesundheitsberichterstattung des Bundes (Statistiken usw.)
Internationale Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) (PDF-Datei)
Offizielle ICF – Klassifikation der Bundesrepublik Deutschland – Deutsches Institut für medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)
Die weisse Liste – Suchportal betreut von der Bertelsmann Stiftung
Allgemeines Gesundheitsrecht Rechtslexikon u.v.m.
Von „http://de.wikipedia.org/wiki/Gesundheit“
Kategorie: Gesundheit
November 20, 2008, 9:31 am
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